Evozierte Potentiale – Untersuchung der Nervenleitungsbahnen

Anwendungsbeispiele:

  • Entzündliche Erkrankungen des Gehirns und des Rückenmarks, z.B. Multiple Sklerose
  • Erkrankungen der peripheren Nerven, z.B. Polyneuropathie bei Diabetes mellitus
  • Bandscheibenvorfälle oder Engpasssyndrome der Wirbelsäule mit Nervenwurzel- oder Rückenmarksschädigung
  • Tinnitus, Schwindel und Sehstörungen

Somatosensorisch evozierte Potentiale

Mit elektrischen Impulsen werden große Nerven an Armen oder Beinen stimuliert. Diese künstlich hervorgerufenen Impulse werden über die peripheren Nerven zum Rückenmark und weiter zum Gehirn geleitet und lösen dort eine elektrische Reizantwort (evoziertes Potential) aus. Durch eine serielle Reizung wird über eine Computeranalyse die Leitungszeit ermittelt, die der Impuls von seinem Reizort bis zum Zielort im Gehirn benötigt. Im Vergleich zu bekannten Normwerten weisen Verlangsamungen auf eine Störung der peripheren oder zentralen Nervenleitungsbahnen hin.

Akustisch evozierte Hirnstamm-Potentiale

Durch eine Serie akustischer Klick-Signale über den Kopfhörer wird das akustische und vestibuläre (Gleichgewichts-) System stimuliert. Die Leitungszeit der Klick-Impulse vom Innenohr über verschiedene Umschaltstellen im Hirnstamm wird über eine Computeranalyse ermittelt. Verlangsamungen können auf eine Störung im auditiven und vestibulären System (Hör- und Gleichgewichtssystem) hinweisen.

Visuell evozierte Potentiale

Durch ein rasch wechselndes Schachbrettmuster wird das Auge stimuliert und die Impulse werden über die Sehnerven und verschiedenen Umschaltstellen zur „Sehrinde“ im Gehirn geleitet. Eine gegenüber der Norm verlängerte Leitungszeit kann eine Schädigung des visuellen Systems anzeigen, z.B. bei einer Sehnervenentzündung.

Sämtliche evozierte Potential-Untersuchungen sind schmerzlos und unschädlich, auch für Schwangere. Da die Messungen störanfällig sind, gelingt die Auswertung am besten, wenn der Patient während der Untersuchung ruhig und entspannt ist.